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Beziehungsdynamik, Erotik, Sexualität und Hypnose

Wie wir unsere Anteile wieder aktivieren können 

Foto von Pixabay

Fabiana und Marc sind seit 22 Jahren ein Paar. „Irgendwie ist die Luft raus“, meinte Fabiana, als sie zu mir in die Beratung kam. „Er hat mich vor 2 Jahren betrogen und es war für mich der Zusammenbruch, ich habe mich wieder irgendwie zusammengesetzt, aber dennoch spüre ich, dass ich die Beziehung in Frage stelle. Er sagt er liebt mich und es hatte nichts mit mir zu tun, aber auch unsere Sexualität leben wir nur noch selten. Neuerdings klammert er sich zwar mehr an mich, aber ich frage mich nach wie vor, wieso er die andere hatte. Was er an ihr eigentlich gefunden hat, würde ich schon gerne wissen, aber darüber können wir überhaupt nicht sprechen. Die andere war so ein richtig naives jüngeres Ding und so wie die möchte ich keinesfalls werden. Dennoch vergleiche ich mich immer wieder mit ihr und merke, dass ich manchmal Dinge tue und sage, die gar nicht zu mir passen, vermutlich um ihm zu gefallen…“.

Die Negation ist nach wie vor ein beliebtes Stilmittel in der Kommunikation. Auch, wenn es um die eigene Identität geht: „Ich will nicht so werden, wie meine Mutter!“, „Ich möchte das anders machen, als meine Geschwister!“, „Mir gefällt nicht, wie mein Chef damit umgeht!“, „Sehe ich besser aus, als die Exfreundin meines Partners!“, „Was hat die andere, was ich nicht habe!”, “War er besser als ich als Mann?” – all dies sind Identitätsabgrenzungen, die jedoch wenig das im Blick haben, worum es geht:

„Gesunde Identität ist das bedingungslose Ja zum eigenen Leben.“

Negationen führen uns in den Vergleich, in die Konkurrenz, in die Abhängigkeit von anderen oder von Bildern der Gesellschaft. Diese Art des Vergleichsdenkens ist aus Abhängigkeitsdynamiken entstanden und wirkt noch nach. Das >Ja< zum gesamten >Ich< fehlt, oder anders gesagt: nicht alle Anteile sind gleichermaßen gut integriert, manche vielleicht ausgeklammert oder verdrängt.

Das führt unweigerlich dazu, dass es merkwürdige Vorstellungen von Beziehung und ebenso von Sexualität gibt. Das eigene Selbstwertgefühl wird in Abhängigkeit zur anderen Person oder zu anderen Personen gebracht und damit werden die Erwartungen im und ans außen wichtiger und immer wesentlicher. Genauer gesagt: das was wir glauben, was der andere oder die Gesellschaft erwartet oder früher, möglicherweise vermeintlich, von uns erwartet wurde. Manchmal geht dieser Erwartungsstrang auch mehrere Generationen zurück.

„Wirkliche partnerschaftliche Liebe gibt es nur zwischen eigenständigen Individuen.“

Allerdings bleiben eigene Anteile der eigenen Persönlichkeit dann oftmals ungelebt und innerhalb einer Partnerschaft stellen sich beide Partner darauf ein und gewöhnen sich an die ganz eigene Form der Beziehungsdynamik. Es sind dann die ganz alltäglichen Systemspiele der Erwachsenen, die die Beziehungsrituale bestimmen und immer mehr auf bestimmte Muster einengen. Und dann kann es eng werden. Die Sexualität wird dann oft masturbatorisch, das meint, dass der andere zum Objekt wird, zum Objekt der eigenen Befriedigung. Das Interessante und Prickelnde der gegenseitigen Subjektbeziehung läuft auf kleiner Flamme, die immer weniger Power hat.

Ist allerdings die Eigenständigkeit und Selbstsicherheit eines jeden Partners im Fokus, wird ein hoher Differenzierungsgrad der eigenen Identität erreicht und echte Intimität und Erotik kann sexuell gemeinsam neu erlebt werden. Orgiastische Sexualität – nach Wilhelm Reich –bringt Menschen, im Gegensatz zur masturbatorischen objektbezogenen Sexualität, ins Schwingen. Achtsamkeit und Sensibilität, Aufmerksamkeit und die Präsenz für den anderen im >Hier und Jetzt< wird dadurch erst möglich und als genussreich erlebt. Es ist ein Ausbrechen aus vorgefertigten Mustern der eigenen Vergangenheit und auch der gesellschaftlichen Normierung. Was „sein soll“, was „wie geht“, was „sein darf“, „wie Sex sein soll“, „wer sich wie zu verhalten hat“, „was geleistet werden soll“… all das wird als Orientierungsmuster hinfällig. Das beziehungsdynamische subjektive Geschehen im >Hier und Jetzt< wird der Dreh- und Angelpunkt erotischen Erlebens. Masturbatorisches Beziehungsverhalten verliert dadurch an Energie, denn der andere ist nicht mehr Objekt, sondern ein eigenständiges und profilstarkes Gegenüber. Nicht mehr „Leistung“ (eher Falle von Männern) oder „Gefallenwollen“ (eher die Falle von Frauen) stehen im Vordergrund, sondern die Spannung des erotischen Momentes.

Nervenzellen und Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, bewirken in einem günstigen Zusammenspiel wunderbar heilsame Cocktails bei der „erotischen Kommunikation“. Zu den interessanten Prozessen beim Thema >Neurobiologie beim Orgasmus< habe ich hier an anderer Stelle schon geschrieben.

Siehe auch: Blogbeitrag vom Jan./Feb. 2020 zum Thema
„Schlaf, Hypnose und Orgasmus“

Hier geht es mir allerdings noch mehr um die innere Psychodynamik, auf der eine entsprechende Beziehungsdynamik und damit auch eine Dynamik von Erotik und Sexualität basiert.

Bleiben eigene Anteile, die mit Selbstwert und Selbstständigkeit zu tun haben auf der Strecke, wird nicht entspannt im >Hier und Jetzt< achtsam und sensitiv, befreit für das was spontan zwischen beiden Partnern gerade entsteht, kommuniziert – weder verbal, noch körperlich. Erotik und Intimität wird ein Kopieversuch von etwas Vorgegebenen von früher oder der Gesellschaft, statt ein spontanes aktuelles Geschehen zwischen beiden. Man tut dann eben, was man so tut und baut die eigenen eingespielten Rituale mit ein. Auch schön, aber nicht das Wesentliche. Zudem meist immer engführender.

 

„Friede, Freude, Eierkuchen ist was anderes!“

Wer nun meint Achtsamkeit und Präsenz etc. läuft lediglich auf „Friede, Freude, Eierkuchen“ hinaus, hat die Bedeutung von Eigenstand und Selbstwert noch nicht internalisiert. Zwei profilstarke Persönlichkeiten erleben eben immer auch, sowohl die schwachen Seiten voneinander, als auch die Starken. Auseinandersetzungen dürfen ebenso dazugehören, wie „negative“ Gefühle und Turbulenzen. Krisen bieten die Chance weiter gemeinsam zu wachsen und – manchmal unter Schmerzen – neue Muster zu gebären und aus dem Eingeschliffenen auszubrechen und Neues zu integrieren.

 

Hypnose als Weg zur Integration

Gerade als Hypnosetherapeut erlebe ich, welch heilsame Schichten meine Klienten immer wieder in sich selbst erreichen und anrühren und sich davon berühren lassen können. Hypnose kommt diesen heilsamen Wellenbereichen im Gehirn wohl am nächsten und bietet die Möglichkeit die unterschiedlichen Anteile in einer Person miteinander in den Dialog zu bringen. Verborgene, versteckte, verdrängte und unerwünschte Anteile können Luft und Raum erhalten. Was von Kindesbeinen an verdeckt geblieben ist, kann plötzlich ressourcereich ans Tageslicht kommen, Bedürfnisse neu gelebt werden.

Möglich ist dies, weil unser Gehirn in unterschiedlichen Wellenbereichen unterwegs ist. Tagsüber in unserem Alltagsbewusstsein sind wir im Frequenzbereich von Beta-Wellen. Wenn wir dann allerdings richtig entspannt sind, frequentieren wir im Alpha-Bereich. Auch bei Tagträumen oder in Flow-Situationen des Alltagslebens wird dieser Wellenbereich aktiviert. Wenn wir meditieren oder in leichtem Schlaf sind, begeben wir uns in den Theta-Wellenbereich und erleben einen Zustand, in dem sich das Tor zum Unbewussten öffnet. Dort sind Kinder noch viel häufiger, u.a. deshalb, da sie nicht so zugeschüttet sind durch Erwartungen und Leistungsanforderungen der Gesellschaft. Diese verhindern oft den Zugang zu unserer Tiefe. Die Grenze zwischen Fantasie und Realität ist noch nicht so klar und Neugier und Entdeckerfreude stehen deshalb ganz positiv-naiv im Vordergrund. So wenn wir gelegentlich also wieder werden könnten, „wie die Kinder“. 50 % der Energiezufuhr benötigt allein das Gehirn bei kleinen Kindern, da eine Explosion von Neuronen, Synapsenverknüpfungen und neuen Netzwerken entsteht.

Bei Hypnose tauchen wir genau in diesen Bereich ein. Dieser Wellenbereich macht uns offen für neue Netzwerkverknüpfungen, alte Bahnen können verlassen werden und neue Beziehungen im Gehirn hergestellt werden. Anteile, die verborgen waren, werden neu belebt und integriert.

 

Die Elman-Induktion und Esdale-State, Ultra-High

Eine klassische Technik zur Einführung in die Hypnose ist die Elman-Induktion, die auf den US-amerikanischen Hypnotiseur Dave Elman zurückgeht. Der Esdale-State knüpft sich als Methode gut an. Dabei legt der Klient erstmal alles an behindernden Belastungen ab und geht dann in eine höhere Position, von der aus neue Perspektiven klar und sichtbar werden, spirituelle Erfahrungen werden ebenso möglich, wie die Lösung von vergangenen Mustern, an denen der Klient noch hängt ohne es zu wissen und neue Erfahrungen können etabliert werden.

Fabiana hat in dieser Hypnose ihren eigenen inneren Kern wiedergefunden, ein Muster aus ihrer Ursprungsfamilie aufgedeckt und die positiven Ressourcen wiederentdeckt, die schon immer in ihr waren. Durch diesen Transformationsprozess konnte sie raus aus einer alten Abhängigkeit und wieder neu auf Marc zugehen, mit neuer Leichtigkeit. Das hat ihm ein vertieftes Gespräch ermöglicht und beide sind am Neustart, ein Reset, der plötzlich Spaß macht und vor allem auch neue Lust aufeinander.

 

Gerhard Gigler 

Akademieleiter, INTAKA
Leiter, INTAKA-Caribbean-Center

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