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Nie ist Wertschätzung so wichtig wie in Krisenzeiten

von Christine Seufert

Auf dem Foto ist eine Glaskugel zu sehen. Sie liegt in zwei Händen und in ihr sieht man ein rotes Herz.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Selina arbeitet engagiert als Führungskraft und bringt sich in ihrer Firma mit neuen Ideen ein. Sie erlebt sich als kreativ und resilient, lässt sich gerne fordern und erlebt dies als Erfolg. Sie hat viel an sich gearbeitet, dass sie ihren Alltag so gestalten kann und sich so flexibel und ausbalanciert erlebt. Herausforderungen in ihrer Familie bringen sie aus dem inneren Gleichgewicht und auf einmal merkt sie, dass sie in Besprechungen trotzig reagiert wie ein kleines Mädchen. Wo kommt das denn wieder her? Ihr wird bewusst, dass sie als kleines Mädchen mit Trotzig-Sein ihre Grenzen zeigen konnte.

Florian ist Vater von drei heranwachsenden Kindern, erfolgreich im Job. Er ist immer wieder im In- und Ausland unterwegs. Seine Familie geht diese beruflichen Herausforderungen mit und sie genießen auch, was dadurch möglich wird. Mit großer Sorge beobachtet Florian die Entwicklungen auf unserem Planeten, die Kriege, die sich ausbreiten, Gewalt, die sich immer mehr breit macht, Ausgrenzung von Menschen. Aus der Sorge wird Angst, die ihn im Griff hat und da er erinnert er sich, dass sein Vater nie seinen Vater gesehen hat, weil er im 2. Weltkrieg gefallen ist. Die Angst gehört da in eine andere Zeit. Er erinnert sich an die selbstgemalte Karte, die sein Großvater seiner Großmutter gesendet hat, als er an der Front war und sein Vater geboren wurde.

Mich berühren diese Beispiele, die ich aus dem Coaching kenne. Und sie erzählen davon, was in persönlichen oder gesellschaftlichen Krisenzeiten passiert.

Denn in diesen Zeiten spülen alte Muster wieder nach oben, die früher einmal sinnvoll waren und meistens für Sicherheit gesorgt haben. Diese alten Muster sind ganz tief in unserem Gehirn abgespeichert mit der Erfahrung: Wenn ich das so mache, dann bin ich sicher. Manchmal werden sie sogar an die nächste(n) Generationen als Überlebensstrategie weitergegeben.

„Sicher sein, mich sicher fühlen“ ist eine „positive Absicht“ im NLP. Hinter diesen Erfahrungen stecken die beiden Grundannahmen: „Jedes Verhalten hat in einem bestimmten Kontext Sinn.“ Und: „Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht.“ Eine positive Absicht nennen wir das, was zu einem bestimmten Verhalten motiviert und was als existentielles Bedürfnis hinter einem Verhalten steht.

Für mich gehört diese Haltung und diese Arbeit im NLP, die wir Reframing nennen, zu dem faszinierendsten Erkenntnissen und Arbeitsweisen aus dem NLP. Da wird Entwicklung und Veränderung nachhaltig. Versöhnung mit alten Verhaltensweisen kann möglich werden.

Die Bedürfnisse nach Sicherheit und Verbundenheit gehören zu den grundlegendsten Bedürfnissen, die wir schon von klein auf haben. Ein Kind muss sich sicher fühlen können, damit es seine eigene Persönlichkeit entwickeln kann und selbst-bewusst aufwächst. Zur Sicherheit gehört dazu, dass das Kind sich mit seiner / seinen Bezugspersonen verbunden fühlt und spüren kann, wo es hingehört und sicher ist.

Deshalb ist die Frage nach der positiven Absicht solcher alter Verhaltensmuster sowie die Frage nach dem passenden Kontext für ein Verhalten, gerade in Krisenzeiten wichtig, weil ich mich dann besser sortieren kann und entdecken kann, wohin ein Verhalten gehört bzw. was ich einmal mit diesem Verhalten erreichen konnte. Das Entdecken der positiven Absicht und des passenden Kontextes macht die Würdigung dieser alten Muster möglich. Das ist die Grundlage dafür, dass das Alte einen sinnvollen Platz bekommt, und Neues möglich wird, Flexibilität bleibt, wir die Perspektive verändern können und wir nicht zu Opfern unserer eigenen Geschichte werden.

Probiere es aus und bleibe durch die Frage nach der positiven Absicht und Würdigung flexibel in deinem Handeln und offen dafür, dein Leben verantwortlich und selbst-bewusst zu gestalten.