Atemübung 1 bei emotionalem Patt für Paare
Absichtsloses Emotionalisieren

Einleitende Anmerkung
Auch hier gilt, wie bei Atemübung 2 nachfolgende einleitende Anmerkung und auch die nachfolgende Voraussetzung:
Bei Atemübungen (Nasenatmung), die aus einem emotionalen Patt führen sollen, geht es in der Regel darum, das Nervensystem zu beruhigen. Ein gestresstes Nervensystem findet keine gute kreative Lösung, die anhaltend ist. Paare schaukeln sich gegenseitig hoch und eskalieren, wenn Druck und Krise im Feld sind. Stressfrei sich zu begegnen, ist ein guter Start. Wenn der gelingt „ist die halbe Miete“ schon gewonnen, denn die emotionale Reaktivität soll abgesenkt werden. Es geht dabei immer um diesen Fokus:
„Ich bin beim anderen
und ich bin bei mir.“
Voraussetzung
Beide sind wirklich für ein „gemeinsames Arbeiten“ an ihrer Weiterentwicklung interessiert und wissen, dass die Folge davon sein darf: Jeder entwickelt sich „ebenso individuell“ weiter und man begegnet sich und nimmt wahr, wo beide stehen – in Freiheit und mit Risikobereitschaft für das, was diese Weiterentwicklung bedeuten wird.
Wichtig für diese Übung ist, dass …
- beide die Übung wollen und Konsens für diese Übungszeit besteht
- sich beide gemeinsam vorher über mögliche Störungen unterhalten und ihren Raum schützen
- während der Übung nicht gesprochen wird
- nach der Übung jede Person Zeit für sich hat (eventuell zum Schreiben oder Malen, spazieren gehen oder was auch immer)
- kein Veränderungsdruck entsteht oder erwartet wird
Atemprofis können bei diesen Atemübungen auch verbunden (zyklisch, kontinuierlich, kreisförmig, ununterbrochen, fließend…), also „conscious connected“ atmen. Dabei wird keine Pause zwischen Aus- und Einatmen gelassen und die neuronale Konnektivität im Gehirn gesteigert, Muster können bewusster erlebt und verändert werden.
Übungsanleitung zur Atemübung 1:
Absichtsloses Emotionalisieren
Ablauf
- Vorbereitungsphase: Minuten: solange es braucht, nix zerreden, sondern entscheiden
- Im gemeinsam vereinbarten Abstand gegenübersitzen. Die Sitzhaltung spielt dabei keine Rolle. Dies kann auf Stühlen sein, auf dem Boden, im Bett… so wie es beiden angenehm ist.
- Bei dieser Atemübung kann Nacktheit sein, ist aber nicht der Fokus. Dies wird im Konsens vorher vereinbart. Konsens kann auch heißen, dass eine Person nackt ist, die andere nicht; aber eben in klarer Übereinstimmung.
- Klarheit hierüber: Die Augen können abwechselnd offen oder geschlossen sein, denn es geht immer um´s bei sich sein und beim anderen sein. Es wird die Spannung ausgehalten, dass man mit seinem Blick alleine ist, oder der andere einen wahrnimmt, obwohl man bei sich ist.
- Man einigt sich auf…
- … Signale der Verabschiedung aus der Übung
- … dass, wie die Zeit danach verbracht wird und wie lange
- … den Ort und Zeitraum der Rückmeldung zur Übung (wenn überhaupt)
- Startphase: Minuten: ca. 5
- In die Augen schauen, sich wahrnehmen und dabei im eigenen Atmenrhythmus in den Bauch atmen – dabei länger aus- als einatmen. Bauchatmung heißt, dass sich der Bauch nach außen wölbt und das Zwerchfell sowohl Lunge, als auch Bauch und andere Organe bewegt.
- Schon hier versuchen gleichzeitig sich wahrzunehmen und auch den anderen. Den eigenen Körper, trotz Blickkontakt zu spüren. Die Wahrnehmung liegt mehr beim eigenen Körper und beim Ausatmen. Gedanken dürfen kommen und gehen. Fokus ist: Atem, eigener Körper und Blickkontakt – ganz ohne Bewertung.
- Kontaktphase: Minuten: ca. 5
- Bei geöffneten Augen blicke ich wohlwollend zum anderen, in all das, was er erlebt hat in seinem Leben, sehe ihn als Kind, sein inneres Kind… Ich bleibe bei meinem Atem und passe diesen nicht an den anderen an, spüre meinen Körper und blicke auch wohlwollend auf mich.
- Jederzeit können die Augen geschlossen werden, wenn du dich sonst verlieren würdest und dann auch wieder geöffnet.
- Phase des bewussten absichtslosen Emotionalisierens Minuten: ca. 10
Ich nenne diese Phase absichtsloses Emotionalisieren, verschiedene Gefühle auftauchen dürfen, aber weder ausgelebt werden müssen, noch reagiert wird, Tränen werden nicht weggewischt, Entschuldigungen haben keinen Platz, nichts wird in Verbindung ausgelebt, nicht:- Nähe
- Unruhe
- Ängste
- Traurigekit
- Widerstand
- Freude
- Rückzugsbedürfnis
- …
Innere Sätze dürfen kommen und wahrgenommen werden. Innere Sätze können in die Richtung gelenkt werden, wie:
- Du bist du und ich bin ich
- Du darfst sein und ich darf sein
- Du darfst so sein und ich darf so sein
- Ich liebe dich auch, wenn du anders bist+
- Ich liebe mich so wie ich bin
- Ich nehme den Unterschied wahr und der darf sein
- Ich bin bei mir und dennoch verbunden mit dir
- Du bist präsent, ich bin da
- …
- Integrationsphase Minuten: ca. 5
- Blick und Nähe auflösen
- In die vereinbarte Zeit nach der Übung gehen
Angenehme Erfahrungen!
Gerhard Gigler
