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NLP bei Beziehungskonflikten: das New-Behavior-Szenendesign

Eine Methode aus dem NLP für Beziehungsarbeit
von Gerhard Gigler

Auf dem Foto sieht man eine Frau und einen Mann streiten.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

 

Neulich wurde ich von einem NLP-Practitioner gefragt: „Welche Methoden verwendest du als langjähriger NLP-Lehrtrainer in deiner Beziehungsarbeit für Beziehungskonflikte?“

Ich sagte: „Oh, da gibt es so arg viele!“

Er lächelt und meinte: „Nenn mir eine einzige!“

Also möchte ich hier mal diese eine Technik beschreiben, die ich ihm genannt hatte und – aus dem NLP kommend – für Beziehungsarbeit im Einzelsetting modifiziert habe. Gerade die Reframing-Sequenz finde ich wichtig, die im Original aus dem NLP leider nicht mitgedacht wurde.

Gerade bei einem Beziehungskonflikt an der Stelle, an der ich die Kontrolle verliere oder ein anderes Verhalten möchte ist diese Technik hilfreich. Die nachfolgende Beschreibung ist gut für Anwender zu verstehen, die den NLP-Practitioner-Abschluss haben.

 


 

Setting
Übung in Einzelarbeit

Ziel

  • Alte Verhaltensmuster wahrnehmen
  • Neue Verhaltensmuster generieren – gerade bei Beziehungskonflikten mit einem neuen Verhaltenswunsch
  • Modellieren neuer Verhaltensmuster durch das Modellieren…
    … des eigenen Verhaltens aus vergangenen Situationen oder
    … des Verhaltens von anderen Personen oder
    … des Verhaltens einer metaphorischen „Figur“
    (Roman, Film, bekannte Person, Metapher, Tier, Wesenheit…)
    oder
    … des Verhaltens einer fiktiven „Figur“
  • In Kontakt mit dem Zukunfts-Ich treten
  • Ziele anvisieren

 

Anmerkung

Der New-Behavior-Generator ist eine klassische Methode aus dem NLP, nach Bandler und Grinder, und wird deshalb von mir in dieser abgewandelten Form als „New-Behavior-Szenendesign“ bezeichnet. Es ist also eine klassische Veränderungstechnik für die Einzelarbeit, die aus dem Modelling kommt und auf der Verhaltensebene operiert.

 

„Wir müssen der Wandel sein, den wir in der Welt zu sehen wünschen.“
Mahatma Gandhi

 

Für das Wort Behavior (Verhalten) gibt es übrigens zwei Schreibweisen: Behavior oder Behaviour. Ich habe mich für die erste entschieden.

Zudem: Da die Technik für Anwender ist, gehe ich davon aus, dass die genannten Begrifflichkeiten bekannt sind.

 

Ablauf

  1. Check-in-Phase
    Wie bist du jetzt gerade hier?

    • … in deinen Körperempfindungen
    • … in deinen Gefühlen
    • … in deinen Gedanken
  1. New-Behavior-Modelling mit Reframing-Idee – dissoziiertes Arbeiten
    • Betrachten der zu verändernden Ausgangsszenerie des Beziehungskonfliktes – für die man sich von sich selbst Veränderung wünscht – als Film
      • VAKOG, dissoziiert
    • Standbild der entscheidenden Wendepunkt-Möglichkeit im Beziehungskonflikt, also Betrachten des Momentes, für die man sich Veränderung wünscht
      • VAKOG, dissoziiert
    • Modell ausfindig machen, das das gewünschte Verhalten zeigt oder von dem man vermutet, dass es dieses Verhalten zeigen könnte (wie oben geschildert):
      • eigene Person (Situation aus der eigenen Vergangenheit)
      • andere Person
      • metaphorische Figur
      • fiktive Figur
    • Standbild und Film mit dem obigen Modell wahrnehmen
      • VAKOG, dissoziiert
      • Verschiedene Geschwindigkeiten
      • Verschiedene Perspektiven
      • Wunschverhalten überprüfen und modellieren (Woran erkennst du…? Was ist das Wesentliche…?)
      • Was passt noch nicht, was muss verändert, angepasst werden? (Körperbewegung, Mimik, Gestik, Stimmlage, Sprechgeschwindigkeit, Kleidung, Alter…)
      • mit dem Modell sprechen; also aus der Situation und in die Kontaktaufnahme gehen: Arbeit mit dem Leeren Stuhl
    • Altes eigenes Verhalten würdigen (Reframing):
      • Wo hat altes Verhalten Sinn gemacht?
      • Was war die positive Funktion dieses alten Verhaltens, in welcher Situation, in welchem System…?
      • Kontakt mit dem „Vergangenheits-Ich“ und würdigen…
      • Möglichkeiten: Kontaktaufnahme, Leerer Stuhl
      • Wenn Würdigung nicht klappt: Loyalität prüfen! Gibt es jemandem, dem du mit neuem Verhalten unähnlicher werden würdest? …für den du das alte Verhalten beibehältst? …dem du mit dem alten Verhalten loyal bleiben möchtest?
        (= Loyalitätsfrage nach Steve de Shazer)
      • Möglichkeiten: Kontaktaufnahme, Leerer Stuhl
      • Wann macht es wieder Sinn?
    • Das Modell durch sich selbst ersetzen und sich einsetzen mit dem Verhalten des Modells
      • VAKOG, dissoziiert
    • Was passt noch nicht? Was muss noch angepasst werden?
    • Eventuell an schwierigen Stellen aus der Situation gehen und erst anpassen (Körperbewegung, Mimik, Gestik, Stimmlage, Sprechgeschwindigkeit, …)
    • Standbild und Film-Szene mit sich ansehen
  1. New-Behavior-Modelling mit Reframing-Idee – assoziiertes Arbeiten
    • Selbst in die Szenerie einsteigen
    • Spüren und modellieren, solange bis es passt
  1. Öko-Check
    • Welche Folgen hat neues Verhalten? Welchen Preis kostet neues Verhalten?
    • Will der Coachee diesen Preis zahlen? Ansonsten: Veränderung oder Vorbeugemaßnahmen
  1. Integration und Future Pace
    • Aufnehmen des neuen Verhaltensmusters in den Körper
    • Imaginieren von künftiger Situation, in der das Verhalten gebraucht wird und durchspielen
  1. Gespräch mit dem Zukunfts-Ich
    • Freude, Dank…
      Möglichkeit: Kontaktaufnahme, Leerer Stuhl

 

Gerhard Gigler